Abhay Chordia, Co-Geschäftsführer des Immobilienkonzerns Panchshil Realty, setzt bei seinen Projekten auf westliches Top-Design und innovative Technologien. Eine zunehmend wohlhabende Klientel fühlt sich angesprochen.
Herr Chordia, Indien galt lange Zeit als isolierter Markt mit viel ungenutztem Potenzial. Gehört dieses Bild der Vergangenheit an?
Schauen Sie sich die Statistiken an und Sie werden feststellen, dass Indien mit einer Bevölkerung von über einer Milliarde Menschen heute lukrative Chancen sowohl für Unternehmen als auch für Arbeitnehmer aus der ganzen Welt bietet. Indien bleibt nicht länger hinter seinen Möglichkeiten zurück, sondern spielt mittlerweile in der ersten Liga. Unsere Wirtschaft verzeichnet das zweitschnellste Wachstum in Asien, und weltweit gehören wir zu den Ländern mit den höchsten Zuwachsraten.
Welchen Anteil hat der allgegenwärtige IT-Sektor an dieser Entwicklung?
Natürlich ist dieser Sektor ein wichtiger Faktor. In Indien gibt es nach den USA die meisten Software-Entwickler und es ist eines von nur drei Ländern, die eigene Supercomputer herstellen. Doch Indien ist auch der zweitgrösste Markt der Welt für Kleinwagen. Indien wächst sowohl in die Breite als auch in die Tiefe und hier bieten sich nahezu grenzenlose Möglichkeiten.
Und dies schlägt sich auch in der Baubranche nieder?
Definitiv. In den letzten Jahren hat Indien enorme Fortschritte gemacht, was seine Architektur und die realisierten Bauprojekte betrifft. Know-how aus der ganzen Welt hat die Sichtweise und damit auch die Ansprüche der Bevölkerung verändert.
Die 1996 gegründete Panchshil Realty hat sich mit völlig unterschiedlichen Projekten – Wohnsiedlungen, IT-Parks, Hotels und Einkaufszentren – in ganz Indien einen Namen gemacht. Was ist Ihr Geheimnis?
Panchshil steht heute für Qualität, Service und Engagement. Das verdanken wir der dynamischen Vision und dem Führungsstil unseres Vorstandsvorsitzenden Atul Chordia. Panchshil realisiert exklusive Bauvorhaben, die höchsten internationalen Standards entsprechen. Wir können sämtliche Phasen eines Bauprojekts abdecken, vom Entwurf über die Planung bis hin zur Baurealisierung. Auf diese Weise entstehen clevere und innovative Lösungen. Gleichzeitig verdanken wir unser Wachstum und unseren Status als Premium-Bauunternehmen auch der Umsetzung globaler Ideen sowie führenden Technologien aus der ganzen Welt. Der Rest beruht wohl auf einer Teamleistung, die jetzt Früchte trägt.
Was unterscheidet Panchshil Realty von anderen Unternehmen im indischen Bausektor?
Entscheidend ist sicherlich, dass wir unsere eigenen Ideen verwirklichen – Ideen, mit denen wir das Interesse der Menschen wecken. Ein Zuhause ist mehr als ein Gebäude aus vier Wänden. Wir waren die ersten, die in jedem Haus individuelle Wohnungen mit Luxusausstattung realisierten. Ausserdem haben wir internationale Architekten engagiert, als die lokalen Bauunternehmen einer ausländischen Beteiligung noch skeptisch gegenüberstanden.
Panchshil Realty ist für eine Reihe von spektakulären Gebäuden in Pune verantwortlich. Weshalb ist die achtgrösste Stadt Indiens so attraktiv für Investoren von Wohn- und Gewerbeimmobilien?
Pune ist als Maschinenbau- und Automobilzentrum Westindiens bekannt sowie als wichtiger IT-Standort, an dem überall neue, riesige Softwareparks aus dem Boden schiessen, besonders im östlichen Teil der Stadt. Es ist ein kosmopolitischer Ort, der jedem Bauunternehmen die Möglichkeit bietet, eigene Zielgruppen anzusprechen.
Sie realisieren gerade das prestigeträchtige Projekt yoopune mit dem französischen Designer Philippe Starck. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Begonnen hat die Geschichte um yoopune mit einer Geschäftsreise nach Tel Aviv, bei der unserem Direktor Sagar Chordia zwei aussergewöhnliche zylindrische Gebäude auffielen. Er fand heraus, dass Philippe Starck sie entworfen hatte. Der Gesamteindruck begeisterte ihn, angefangen bei den Designkonzepten, den Materialien bis hin zur Ausführung. Er wandte sich daraufhin an das Büro yoo in London, um eine Zusammenarbeit anzubieten. Einer der Hauptgründe, weshalb wir unbedingt mit Philippe Starck arbeiten wollten, ist, dass er ein Allround-Designer ist. Er hat bereits alles Mögliche entworfen, von einer Zahnbürste bis zu einem Fahrrad. Sein Verständnis von Design ist beispiellos.
Welchen Status haben westliche Designer heute im Allgemeinen in Indien?
Wir konsultieren internationale Designer im Rahmen der Projektkonzeption. Die Detailarbeit wird dann intern von unserem Team erledigt. Der indische Immobilienkäufer im Premium-Segment ist ein Globetrotter. Er legt Wert auf internationales Ambiente, wenn er in seinem Heimatland eine Immobilie erwirbt. Es gibt auch viele multinationale Unternehmen, die Niederlassungen in Indien eröffnen. Für diese Unternehmen ist ein internationales Flair ebenfalls wichtig. Die indischen Designer arbeiten an den Details des Projekts, während sich die internationalen Designer eher um die allgemeine Planung kümmern. Diese Mischung ist perfekt für unseren Markt.
Welches Potenzial sehen Sie langfristig für die Stadtentwicklung in den sich ausbreitenden Ballungsgebieten Indiens?
In Indien leben mittlerweile eine Milliarde Menschen. Die demografische Struktur Indiens ist sehr günstig. Immer mehr junge Menschen drängen ins Erwerbsleben, und die Nachfrage nach Wohnraum und Infrastruktur wächst. In den grossen Ballungsräumen werden weiterhin hochwertige Wohnsiedlungen entstehen. Diese Entwicklung wird sich auch auf die kleineren „Tier-II“ Städte Indiens auswirken, deren Wohngebiete sich ebenfalls ausdehnen werden.