
Welch gigantische Aussicht! Befestigt am äussersten Punkt eines Piers, ragt die kleine Aussichtsplattform wie ein Sprungbrett hinaus aufs Meer und gibt den Blick frei auf die zahllosen vorgelagerten Inseln mit ihren kleinen Fischerdörfern. Ein Stahltreppchen führt auf den mit Glas umrahmten Steg aus Visstallitt-Gneiss. Die Plattform befindet sich an der norwegischen Atlantikküste, in der Nähe des kleinen Fischerdorfes Askvaagen. Dort wartet sie auf Besucher, um sie noch ein wenig weiter hinaus aufs Wasser zu führen. Das Meer hat sich dem Bauwerk schon längst wie selbstverständlich bemächtigt und ihm eine salzverkrustete Patina verliehen.
Entworfen wurde der Aussichtspunkt vom Osloer Büro 3RW Arkitekter, als Teil des National Tourist Route Projects. Auf dem Weg zum nördlichsten Punkt Europas, dem Nordkap, entstehen auf 18 Routen nach und nach ungewöhnliche Infrastruktur-Projekte junger Architekturbüros. Deren augenfällige Gestaltung hinterlässt Spuren in der norwegischen Landschaft – „Traces of Our Time“, wie es im Konzept heisst. Es sind ungewöhnliche Objekte, die bis 2012 entstehen werden, eigentliche Landmarks, mit einer ebenso spektakulären Aussicht. So aussergewöhnlich die Projekte auch sind, so handfest ist der wirtschaftliche Hintergrund. Fischerei und Landwirtschaft blicken in Norwegen in eine ungewisse Zukunft. Der Tourismus wird dafür immer wichtiger. Das von 3RW Arkitekter realisierte Projekt versteht sich auch als ein Hinweis auf den Wandel der Küstenorte von selbst versorgenden Fischerdörfern hin zu Service orientierten Ferienorten. Eine Entwicklung, mit der sich auch die Architektur am Wasser verändert.