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Referenzen –

«Ein Raum braucht eine Seele»
Emotionale Designsprache von Aslı Arıkan Dayıoğlu

Die türkische Innenarchitektin Aslı Arıkan Dayıoğlu lässt sich bei ihren Projekten von Menschen inspirieren. Im Interview erklärt sie, warum Gestaltungskonzepte emotionale Tiefe brauchen und ein Raum beseelt werden muss.

Wie beschreiben Sie Ihre Designsprache und was hat sie geprägt?   

An der Rhode Island School of Design beschäftigten wir uns mit Innenarchitektur, Kunstgeschichte und Materialstudien. Ich lernte, Räume in einem grösseren Kontext zu betrachten. Mein Anspruch ist es, mit Innenarchitektur eine emotionale Tiefe zu schaffen. Ein Raum braucht eine Seele – sonst bleibt er austauschbar. Füllt man ihn mit Geschichte, wird er erlebbar und einzigartig. Ich analysiere dazu die Menschen, die diesen Raum nutzen werden und überlege mir, welche Emotionen sie erleben sollen. Darauf baue ich auf.

Wie kann ein Raum «beseelt» werden?

Indem wir einen spannenden Rhythmus erzeugen mit Höhen und Tiefen, wie bei einem Herzschlag. Innenarchitektur lebt von Kontrasten: Wir spielen mit Materialien, Licht und Proportionen. Eine Wand kann sehr skulptural und haptisch sein, während eine andere bewusst unaufgeregt und dezent gehalten wird. Wichtig ist ein gutes Gleichgewicht zu finden. 
 

 

Viele Ihrer Projekte entstehen für internationale Hotelmarken mit klaren Designrichtlinien. Wie sorgen Sie dafür, eine Marke wiedererkennbar und doch einzigartig zu gestalten?

Ich verstehe Markenrichtlinien nicht als Einschränkung, sondern als klare Struktur, die es uns ermöglicht, an unsere Grenzen zu gehen. Ich will Neues schaffen und ein Projekt einzigartig machen. Für ein Projekt entwerfen wir eigene Texturen, Mustern und Oberflächen für Möbel, Teppiche und Tapeten. Auch handgefertigte, ortstypische Elemente können ein Projekt lokal verankern, ohne die Markenidentität zu verwässern.

Im Bad stehen Funktion und Technik im Vordergrund. Wie können Sie in diesen Räumen den Gestaltungsrhythmus beibehalten?

Indem ich Objekte mit Geschichte integriere. Bei der Renovation des InterContinental Hotels in Istanbul haben wir beispielsweise die handgefertigten Altholztüren belassen. In Kombination mit dreidimensionalen Oberflächen, haptischen Materialien wie Travertin und Porzellan und sorgfältig abgestimmten Farben erzählt auch das Badezimmer eine Geschichte. Produkte von Geberit kombiniere ich gern: Sie sind zuverlässig, langlebig und schlicht im Design. Die Technologie bleibt im Hintergrund. So kann ein Raum seine Wirkung entfalten.

Wie wird sich Innenarchitektur weiterentwickeln? 

Die Räume der Zukunft sollen nicht nur schön, sondern smart und auf das Wohlbefinden des Menschen ausgerichtet sein. Zum Beispiel durch Licht, Akustik oder Farben, die auf unsere Stimmung reagieren. Wir werden dazu Menschen noch besser erforschen und verstehen müssen – körperlich und emotional.

 


Die türkische Innenarchitektin Aslı Arıkan Dayıoğlu, Gründerin des Designist-Studios. 

Aslı Arıkan Dayıoğlu ist eine preisgekrönte Innenarchitektin. Nach dem fünfjährigen Studium in Design und Innenarchitektur in den USA arbeitete sie in verschiedenen Architekturbüros und sammelte Erfahrungen mit Projekten aus der Hotellerie. 2007 gründete sie das Studio Designist mit Hauptsitz in Istanbul und einem Zweitsitz in Berlin, mit dem sie nationale und internationale Projekte realisiert. 

Eine lächelnde Frau mit langen, lockigen Haaren sitzt an einem Tisch. Im Hintergrund ist ein Regal mit Auszeichnungen.


 Headerbild: ©InterContinental Hotel Istanbul