Jeden Tag Mittwoch
Prozessbeherrschung in den Keramikwerken
Stabile Prozesse, weniger Rätsel: Die Keramikwerke nehmen ihre Abläufe gegenwärtig genau unter die Lupe. Was das konkret bedeutet, zeigt ein Rundgang in Haldensleben (DE).
Draussen steht die Luft, 35 Grad und tropische Schwüle regieren an diesem Mittwoch im Hochsommer im deutschen Haldensleben – früher ein Freudentag im Geberit Werk, denn es sind ideale Bedingungen für die Herstellung von Sanitärkeramik. In den heissen, feuchten Sommermonaten trocknet der Schlicker langsam und gleichmässig, ohne Risse. Und mittwochs läuft erfahrungsgemäss auch die Gipsform zur Höchstform auf – weder zu trocken wie anfangs Woche noch zu feucht wie gegen Wochenende.
Viel weniger Ausschuss
Lange war das Wechselspiel aus Sonne und Regen, Sommer und Winter eine Herausforderung. «Diese Woche regnet’s, liefern können wir nicht», hiess es nicht selten. Die Folge: Hohe Ausschussraten, also ein hoher Anteil fehlerhafter Produkte, die aussortiert werden.
Heute sieht das anders aus: Klima, Prozesse und Material folgen klaren Parametern. Die Werkhalle atmet unabhängig vom Wetter draussen, gesteuert von Daten und Messpunkten. «Nun hast du jeden Tag Mittwoch», sagt Produktionsleiter Stefan Radke.
Bauchgefühl sichtbar machen
Möglich macht es beispielsweise eine neue Befeuchtungsanlage, die das Klima in der Halle von der Laune des Wetters abkoppelt. Feuchtigkeitsregulierung ist laut Stefan Radke das A und O für ein gutes Endprodukt. Das hat jede Keramikerin, jeder Keramiker im Gefühl.
«Dieses Bauchgefühl sichtbar machen – das ist Prozessbeherrschung», ergänzt Verfahrenstechniker Julius Hain vom Keramiktechnologie-Team, den lokalen Wissensträgern für Keramikprozesse. Zusammen mit der Produktion vor Ort und dem Gruppenkompetenzzentrum für Keramiktechnologie definiert und beschreibt er Prozesse «von vorne bis hinten», sammelt Daten und erprobt Verfahren in Haldensleben, die danach auf weitere Werke im Geberit Keramiknetzwerk ausgerollt werden. «Heute messen und dokumentieren wir alles, von der Viskosität der Schlicker- und Glasurmasse über die Eingiesszeit bis zur Dicke des gegossenen Rohlings,» sagt der 33-Jährige.
Die Ergebnisse sprechen für sich: «Wir konnten die Ausschussrate um über 60% senken.» Damit gehört Haldensleben zu den Geberit Keramikwerken mit dem geringsten Ausschuss.