Eine von acht brandneuen Druckgusszellen im Keramikwerk in Ekenäs, Finnland
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KOMPETENZEN - NOVEMBER 2022

KERAMIKPRODUKTION UNTER HOCHDRUCK EKENÄS TREIBT DIE AUTOMATISIERUNG VORAN

Das Geberit Keramikwerk im finnischen Ekenäs gehört punkto Automatisierung zu den Vorzeigefabriken. Dank der Investition in modernste Druckgusstechnologie entsteht in den neuen Produktionszellen alle 20 Minuten eine WC-Keramik.

Hier ein «God morgon», da ein «Hyvää huomenta» – beim Rundgang durch die Produktionshalle in Ekenäs grüsst Geschäftsführer Matts Lundström freundlich, mal auf Schwedisch, mal auf Finnisch. Zweisprachiger Alltag am südlichsten Zipfel Finnlands, wo sich das Keramikwerk direkt am Finnischen Meerbusen befindet.

Investition in Druckgusslinie
In Ekenäs stellen die Mitarbeitenden Sanitärkeramiken für die nordischen und zunehmend auch für die mitteleuropäischen Märkte her. Zwar greift man in den nordischen Märkten noch vorwiegend zu bodenstehenden WCs. Laut Matts Lundström zeichnet sich aber ein Trend ab: «Wandhängende WCs verzeichnen auch in Skandinavien wachsenden Absatz.»

Um die Herstellung hochzufahren, hat Geberit die am Standort Ekenäs bis dato grösste Investition getätigt: Seit 2022 stehen hier brandneue Produktionszellen, ausgestattet mit der neusten Generation von Druckgussmaschinen. Aus ihrer Mitte ragen imposante Roboterarme empor. Sie sind die unermüdlichen Geburtshelfer wandhängender WCs.

Helfende Hände
Elegant setzt der Roboterarm eine WC-Gussform zusammen, wartet den wenige Minuten dauernden Druckgussprozess ab und befreit das Stück anschliessend aus seinem Korsett. Mit einem rotierenden Schwamm verputzt er die Nähte der Formhälften und stellt das neue WC in den Vortrockner. Selbstständig wechselt der Roboter sein Werkzeug, jeder Prozessschritt ist vorprogrammiert. Dabei geht er behutsam vor wie ein Chirurg bei der Operation am offenen Herzen. Ungefähr alle 20 Minuten entsteht so eine neue wandhängende WC-Keramik.

Wissenstransfer nach Polen
Doch ohne Menschen geht es auch hier nicht. Fachleute wie beispielsweise Johan Pihlström, einer der Druckgussspezialisten in Ekenäs, sind gefragt. Zusammen mit seinem Teamkollegen hat er den Aufbau der neuen Linie in Finnland von Beginn an begleitet, kennt jeden Prozessschritt, weiss bei technischen Tücken Rat. Das Wissen gibt er intern weiter. Johan Pihlström besucht regelmässig die Keramikwerke von Geberit in Polen und teilt seine Erfahrungen. So unterstützt er die weitere Automatisierung bei Geberit und demonstriert gelebte Unternehmenskultur: «Das Wissen untereinander weiterzugeben, das ist die Geberit Service-Kultur.»

DRUCKGUSS VERSUS TRADITIONELLE KERAMIKHERSTELLUNG

Bei der traditionellen Keramikproduktion wird der Schlicker in Gipsformen gegossen. Bis er sich verfestigt und die Körper aus der Form genommen werden können, dauert es bis zu zwei Stunden. Im modernen Druckguss-Verfahren werden poröse Kunststoffformen mit Schlicker befüllt und anschliessend das Wasser mit Luftdruck aus der Masse gedrückt. Damit lassen sich deutlich mehr Stücke pro Tag produzieren, weiter sind Kunststoffformen viel länger nutzbar als solche aus Gips. Zudem kann Kunststoff direkt wieder befüllt werden, was bei Gipsformen nicht möglich ist, da diese erst über mehrere Stunden lang trocknen müssen.

Das Keramikwerk in Koło baut derzeit mit Unterstützung aus Ekenäs eine neue Druckgusslinie auf. Erfahren Sie im Video aus der Produktion in Koło mehr über die Unterschiede zwischen traditioneller und automatisierter Keramikherstellung.

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