Arne Seeliger und Christian Landolt prüfen die Daten der schwarzen Box von QualiVision.
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KOMPETENZEN - JUNE 2022

POTENTER FEHLER-DETEKTIV DIGITALE DATEN DIENEN DER QUALITÄT

Der Kamera entgeht nichts. Ihre Aufgabe: Kleinste Fehler und Makel bei den frisch produzierten Betätigungsplatten finden. Dank einer neu eingeführten Software lassen sich die dabei gesammelten Daten besser auswerten denn je.

Frisch gespritzt und montiert sind sie - und rollen kurz vor der Verpackungsanlage im Geberit Werk in Jona übers Fliessband in eine «Black Box». Dort kommen die Betätigungsplatten genauso heraus, wie sie hineingegangen sind. Der Vorgang bleibt aber nicht folgenlos.

In der Box befinden sich Kameras, die den Zustand der taufrischen Betätigungsplatten unter idealen Lichtverhältnissen analysieren. Eine Software überprüft die Bilder anhand etlicher Parameter – etwa, ob das Logo sauber sitzt oder die Oberfläche schön eben ist. «Dank eines Data-Matrix-Codes auf der Rückseite der Betätigungsplatte erkennt das System automatisch, welches Modell gerade durchläuft und welche Prüfschritte es demnach durchführen muss», sagt Christian Landolt, Projektleiter Qualitätssicherung. Und dann entscheidet es, ob das Stück aussortiert wird.

Deutlich potenter
Das ist Status quo seit vielen Jahren. Die Anlagen von QualiVision sind seit 2008 im Werk in Jona installiert. Doch seit November 2021 sind sie auf einen Schlag markant potenter. Denn ETH-Doktorand Arne Seeliger, der bei Geberit Digitalisierungsprojekte betreut, hat gemeinsam mit einem Team eine Software entwickelt, die den Datenberg der Kameras auswertet.

Das System erkennt anhand der Bilder, welche Maschine oder welches Werkzeug die Ursache eines Problems ist – und auch wo in etwa bei der Maschine oder dem Werkzeug.

«Wir haben nun eine transparente Prozessüberwachung und werden in Echtzeit über Unregelmässigkeiten informiert.»
Christian Landolt, Projektleiter Qualitätssicherung

Kurz- und langfristiger Nutzen
All diese Daten besser zu nutzen hat laut Arne Seeliger zwei Vorteile – einen kurzfristigen und einen langfristigen. Der Kurzfristige: «Wir können in der Software programmieren, dass sie Alarm schlägt, wenn ein Grenzwert an Ausschuss bei einem Produkt überschritten wird.» Dann erhalten die zuständigen Personen eine Benachrichtigung auf ihren Computern oder ihren Handys und können schnell die Fehlerquelle ausmachen und beheben. «Wir haben nun eine transparente Prozessüberwachung und werden in Echtzeit über Unregelmässigkeiten informiert», sagt Christian Landolt.

Ökonomische Verbesserung
Laut Christian Landolt kam es so bereits zu zahlreichen Prozessoptimierungen. Das schlägt sich auch wirtschaftlich nieder. «Nimmt man etwa eine zehnprozentige Reduktion der Folgefehler an, so entsteht ein Kostensparpotenzial eines schönen fünfstelligen Betrags jährlich», sagt Arne Seeliger. «Und das für nur eine von drei Produktelinien, unter konservativer Schätzung.»

Der langfristige Nutzen der noch jungen Software wird sich innerhalb der nächsten Monate stetig vergrössern. Laut Arne Seeliger geht es dabei um die Auswertung des Datenfundus über längere Zeitspannen hinweg. «So lässt sich etwa herausfinden, welche Fehler am häufigsten vorkommen.» Auch wenn diese Datenanalysen erst nach und nach stattfinden, hat sich die Neuerung jetzt schon bewährt.

Bild der Black Box am Ende der Produktionslinie.
Die Black Box mit den Kameras steht fast am Ende der Produktionslinie. (Bild: Seraina Boner)
Fehler auf einer Betätigungsplatte, der von der Kamera entdeckt wurde.
Die Kamera findet praktisch jeden Fehler. (Bild: Seraina Boner)

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